Die Traumpost zum nachlesen

Die Traumpost zum nachlesen

Traumpost August 2026

Liebe ..............................................,

beim letzten Mal habe ich dir ja von meiner tragischen Liebesgeschichte mit J. erzählt und ich schwöre, wir sind auch bald durch mit den ganzen Liebesgeschichten in meinem Leben. 😅 Aber jeder von ihnen hat ein Stück weit dazu beigetragen, dass ich heute die bin, die ich bin. Heute möchte ich dir von S. erzählen und danach lernte ich auch schon meinen Mann kennen, übrigens auch ein D. Aber jetzt erst einmal zu S.

S. hatte ich über eine Datingplattform kennengelernt und wir haben ein bisschen miteinander geschrieben. Es war sehr nett und ich glaube, es war Halloween, als wir uns das erste Mal trafen. Wir hatten nämlich beide nichts vor und irgendwie wollte ich an diesem Abend nicht alleine sein. Da er aber circa eine Stunde Anfahrt hatte, war klar, dass er bei mir übernachten würde.

Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr so gut an diesen Abend erinnern, aber ich weiß noch, dass wir zusammen getanzt haben und danach den Disney-Film „Coco“ schauten. Passend zu Halloween. Wir verstanden uns sehr gut und so kam es, dass wir uns immer häufiger besuchten. Meistens ging ich zu ihm, weil er eine eigene Wohnung hatte.

Wir konnten sehr gut über alles reden, denn auch er kam aus einer sehr langen Beziehung und wurde sehr verletzt. Wir waren also sozusagen Leidensgenossen und beschlossen, dass es an der Zeit war, nach vorne zu schauen. So unternahmen wir allerhand schöne Sachen miteinander. Wir waren im Europa-Park, in der Teufelsschlucht wandern und auf dem Römerpfad, wo wir uns im Dunkeln verlaufen haben. Also sind wir noch ein zweites Mal dorthin.

Einmal waren wir beim Saarpolygon, aber auch hier hatten wir die Zeit völlig vergessen und als wir oben ankamen, war es bereits dunkel. Das war wunderschön mit den ganzen Lichtern der Stadt unter uns, aber wir mussten natürlich auch im Dunkeln wieder nach unten. Das hatte zur Folge, dass wir uns mal wieder verliefen. 😅 Plötzlich standen wir auf einem abgesperrten Firmengelände und wussten nicht mehr weiter. Ich suchte die nächstbeste Gegensprechanlage und wir schilderten unsere Situation. Eine nette Mitarbeiterin kam uns dann tatsächlich dort abholen und brachte uns mit ihrem Auto zurück zu S.s Auto. Ich fand dieses kleine Abenteuer sehr lustig, S. leider nicht so sehr.

Immer häufiger begannen wir zu streiten und irgendwie war am Ende immer alles meine Schuld. Mich machte das zunehmend fertig, aber gleichzeitig hatte ich auch nicht den Mut, es zu beenden. Und ich glaube, ihm ging es ähnlich. Nach ungefähr einem Dreivierteljahr war es kaum noch auszuhalten. Wir konnten nicht miteinander, aber irgendwie auch nicht ohneeinander.

Zum Glück lernte ich dann auf einer Datingplattform meinen heutigen Mann kennen. Durch ihn fühlte ich mich nicht mehr so abhängig von S. und schaffte es schließlich, einen Schlussstrich zu ziehen. Es tat uns beiden sehr weh, aber ich denke, es war das Beste so.

Heute haben wir nur noch selten Kontakt, aber hin und wieder halten wir uns ein bisschen auf dem Laufenden. Ich wünsche S. wirklich alles Glück der Erde und hoffe, dass er glücklich wird. Gleichzeitig bin ich ihm sehr dankbar für die vielen schönen Dinge, die wir gemeinsam erlebt haben, denn auch diese Zeit gehört zu meinem Leben und hat mich ein Stück weit zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Was ich dir zum Schluss mit auf den Weg geben möchte, ist, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn für uns wichtige Menschen uns nur ein Stück auf unserem Weg begleiten. Und wenn du irgendwann merkst, dass dir ein Mensch nicht mehr guttut, dann ist es auch vollkommen in Ordnung, einen Schlussstrich zu ziehen und zu deinen eigenen Grenzen zu stehen. Denn auch wenn es vielleicht wehtut, wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich irgendwann die nächste.

Und hinter meiner nächsten Tür stand mein Mann. ❤️ Doch davon erzähle ich dir beim nächsten Mal.

Viele liebe Grüße und steh zu deinen Grenzen,

deine Nathalie

Traumpost Juli 2026

Liebe _______________________,

beim letzten Mal habe ich dir von D. erzählt und diesen unglaublichen Gefühlen, die mich einfach überrollt haben. Doch er wollte nicht mehr, als mit mir zu spielen, und so beschloss ich, mich weiter in der Welt umzuschauen. Dabei lernte ich J. kennen.

Er war Soldat bei der Bundeswehr und ging richtig darin auf. Er hatte auch eine große Sammlung von allen möglichen Dingen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Persönlich bin ich froh, dass ich nicht in dieser Zeit gelebt habe, aber er fand den militärischen Hintergrund sehr spannend.

Er gab mir ein Stück weit mein Selbstvertrauen zurück, denn davon hatte er selbst genug, und dadurch fing ich wieder an zu strahlen. So sehr, dass ich sogar darauf angesprochen wurde. Ich fühlte mich durch ihn einfach begehrenswert und hübsch und genoss die gemeinsame Zeit mit ihm. Das Wandern stärkte mich zusätzlich und ich finde es sehr schade, dass ich heute nicht mehr so oft dazu komme.

Während dieser Zeit war ich auch auf der Suche nach einem Thema für meine Bachelorarbeit. Die gemeinsame Zeit mit J. und diese Freude am Wandern und an der Natur haben mich so bewegt, dass dies ein Teil meiner Arbeit wurde. Ich lernte spinnen und webte aus der selbst gesponnenen Wolle die Muster der Bändchen von militärischen Medaillen nach. Ich färbte Nesselstoff mit Brennnesseln und gestaltete neu interpretierte Uniformen. Ich zeichnete J. und machte Fotos beim Wandern.

An der Sache mit J. gab es nur einen Haken: Er wohnte noch mit seiner Ex-Freundin zusammen. Später stellte sich jedoch heraus, dass er einfach ein chronischer Lügner war. Hätte ich gewusst, dass er seine Freundin zu einer offenen Beziehung gedrängt und mich auch bei der angeblichen Trennung belogen hatte, hätte ich mich nie darauf eingelassen.

Aber auch wir waren nicht zusammen und konnten jeder tun und lassen, was wir wollten. Trotzdem war es mir wichtig, dass wir ehrlich zueinander sind. Doch an unserem letzten Abend merkte ich, dass er mir etwas verheimlichte. Ich versuchte, es zu verdrängen, und wir hatten einen wunderschönen Abend unter dem Sternenhimmel. Auch in diesem Moment war ich komplett überwältigt von meinen Gefühlen, sodass ich meine inneren Zweifel für eine Weile abstellen konnte. Doch als wir nach Hause gingen, kamen sie wieder und wurden nur noch schlimmer.

Ich tat etwas, worauf ich nicht stolz bin, aber ich wollte einfach Gewissheit haben und hätte es nie gemacht, wenn er mir keinen Grund dafür gegeben hätte. Als er tief und fest schlief, nahm ich sein Handy und las seine Nachrichten. Die von seiner besten Freundin, die seiner Freundin und die der Frau, mit der er sich am Abend zuvor getroffen hatte und wegen der er mich belogen hatte.

Ich erfuhr, dass er bei ihr gewesen war und nicht bei Freunden, und so erfuhr ich auch, dass er mit seiner Freundin gar nicht Schluss gemacht, sondern sie zu einer offenen Beziehung gedrängt hatte. Aber er hatte nicht nur mich belogen, sondern auch die Frau vom Vorabend. Also schrieb ich ihr und erzählte ihr, dass er sie belog.

Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von ihm, als wäre es das letzte Mal, dass ich ihn sehen würde, denn ich wusste, wenn das herauskam, würde er nichts mehr von mir wissen wollen. Und so war es auch. Die andere Frau erzählte ihm alles und die beiden kamen danach sogar zusammen. Mittlerweile sind sie allerdings auch schon wieder getrennt.

Dieser Morgen war also wirklich das letzte Mal, dass ich J. sah, und mit ihm ging auch ein Stück von meinem Strahlen.

Wie es weiterging, erfährst du beim nächsten Mal. Bis dahin pass gut auf dich auf und mach dein Strahlen nicht von einer anderen Person abhängig. ✨

Viele liebe Grüße

Nathalie

Traumpost Juni 2026

Liebe …………………………….,

im letzten Brief habe ich dir ja schon erzählt, dass ich in meinem Praktikum D. kennengelernt habe. Und dass ich mich dann getrennt habe. Heute möchte ich etwas ausführlicher darüber reden, weil mich diese Zeit mit D. sehr bewegt hat.

D. war optisch überhaupt nicht mein Typ. Er war sehr groß und ehrlich gesagt habe ich gedacht, dass er mindestens 40 ist, als ich ihn das erste Mal gesehen habe. Er war meistens nur einmal die Woche als Aushilfe im Versandlager da. Des Öfteren sollte ich dort auch mithelfen oder musste etwas aus dem Lager holen. Nach zwei, drei Mal, die ich ihn gesehen und mit ihm gearbeitet hatte, war mir dann auch klar, dass er keine 40 ist, sondern nur ein paar Jahre älter als ich.

Im Lager konnte man immer seine eigene Musik aussuchen und irgendwie haben wir darüber Bezug zueinander bekommen. Ich weiß noch genau, wie dann „Shallow“ von Lady Gaga lief und mich seine Blicke zwischen den Lagerregalen trafen. Das war wohl der Moment, in dem sich Gefühle bei mir entwickelt haben.

Wir sprachen viel über Musik und er war sehr verwundert, dass wir einen sehr ähnlichen Geschmack hatten. Er erzählte mir von einem Park in Trier, wo er oft war, weil er direkt dort wohnte. Dieser Park war auch bei mir in der Nähe. Also packte ich eines Tages meine Sachen und ging in den Park. Durch die Arbeits-WhatsApp-Gruppe hatte ich seine Nummer und ich schickte ihm ein Foto von dem Park und schrieb dazu, dass er recht hatte und es hier wirklich sehr schön ist. Er hatte wohl nichts zu tun, also kam er vorbei und wir erzählten ein bisschen miteinander.

Dadurch, dass wir so nah beieinander wohnten, trafen wir uns nun auch morgens im Bus auf dem Weg zur Arbeit. Am Anfang lächelte er mir immer nur zu und setzte sich dann in die letzte Reihe, aber irgendwann setzte er sich neben mich und manchmal unterhielten wir uns auch.

Nachdem ich mich von Pascal getrennt hatte, fragte ich ihn auf der Arbeit, ob er mit mir mal ein Eis essen gehen möchte. „Ja, nächste Woche nach der Arbeit.“ An dem Tag zog er mich morgens auf und stichelte, ich hätte mich ja schick gemacht für unser Date. Auch die Mittagspausen verbrachten wir mittlerweile zusammen und ich fand immer wieder Möglichkeiten, ins Lager zu gehen.

Meine Gefühle wurden immer stärker und dieses Kribbeln in meinem Bauch brachte mich um den Verstand. Mein Hirn setzte wirklich zwischendurch aus und im Nachhinein würde ich sagen, ich habe teilweise auch echt dumme Sachen gemacht und mich unter Wert verkauft.

Unser Eis-Date war nicht wirklich besonders. Wir haben uns eine Kugel auf die Hand geholt und sind durch die Gegend gelaufen. Irgendwann trafen wir uns nochmal bei mir zu Hause. Wir haben Wein getrunken und Black Stories gespielt. Draußen schien der Mond und wir lagen quer auf dem Bett. Irgendwann gab er mir einen Kuss auf die Stirn und ging. Es war also nicht so, als ob er nicht auch mit mir flirten würde.

Doch irgendwann meinte er, aus uns würde nichts werden, weil er nicht damit zurechtkam, dass ich etwas korpulent bin. Ich war etwas geknickt, aber für mich war das der Anlass abzunehmen und mit dem Wandern anzufangen.

Trotz Abfuhr flirtete er weiter mit mir und von da an war das wie ein Spiel zwischen uns. Damals dachte ich, wenn er überhaupt nichts empfinden würde, dann wäre er nicht so. Heute glaube ich, ihm hat es einfach gefallen, dass ich ihn so angehimmelt habe. Vielleicht hat er das auch einfach für sein Ego gebraucht.

Naja, wie schon erwähnt, tat ich durch meine Gefühle dumme Dinge und suchte weiterhin seine Nähe. Wir telefonierten lange und trafen uns zum Kochen oder Spazierengehen.

Einen Spaziergang werde ich nie vergessen. Es war noch ein Freund von ihm dabei, aber das störte mich nicht. Er flirtete trotzdem mit mir. Es war sehr schönes Wetter und die Sonne schien. Fast am Ende unserer Runde durch die Weinberge begann es zu regnen. Aber so hatte ich das noch nie erlebt. Die Sonne schien immer noch und es waren einzelne, richtig dicke, runde Tropfen. Sie glitzerten in der Sonne wie Diamanten. Es war unglaublich schön.

Nach dem Spaziergang warnte sein Freund mich noch, dass D. wohl immer gut mit Frauen kann und genau weiß, was er sagen muss. Den Eindruck machte er allerdings nicht auf mich. Er wusste nur genau, wie er mich bei Laune hält und mit mir flirtet, mich aber dennoch auf Abstand hält.

Eines Abends schrieben wir noch sehr lange miteinander und um zwei Uhr nachts fragte ich, ob er sich mit mir die Sterne anschauen wollte. Wir sind dann also in der Dunkelheit über einen abgelegenen Weg vom Unigelände aufeinander zugelaufen und haben dabei telefoniert, weil ich doch etwas Angst hatte im Dunkeln. Dann stand er vor mir.

Wir liefen zusammen weiter über das Unigelände, suchten uns ein schönes Plätzchen und schauten Sterne. Natürlich versuchte ich, ihm näherzukommen und bis zu einem gewissen Punkt ließ er es auch immer zu. Irgendwann beendete er es dann ganz abrupt. Es war sehr seltsam und ich wurde aus ihm einfach nicht schlau.

Irgendwann ließ er die Nähe zu mir aber doch zu, ohne mich zu küssen. Das wollte er nicht. Er sagte, er küsst nur jemanden, wenn er ihn liebt. Wie gesagt, ich war dumm und geblendet von meinen Gefühlen und zog es durch.

Danach wurde mir klar, dass es irgendetwas an mir gab, das er so unattraktiv fand, dass es mit uns nichts geben würde. Also fing ich an, mich anderweitig umzuschauen. Dabei lernte ich J. kennen. Von ihm erzähle ich dir beim nächsten Mal.

Ich wünsche dir einen wunderschönen Juni und viel Spaß beim Träumen vom Meer.

Deine Nathalie

Traumpost Mai 2026

Liebe ................,
2017 begann im Oktober mein Modedesign-Studium in Trier. Ich zog in eine WG mit zwei Jungs, die ich vorher nicht kannte. Aber es war die beste WG, die meine Mama und ich im Vorfeld besichtigt hatten. S. war Mitte/Ende 40 und Pa. war in meinem Alter und echt lieb und süß mit seinem krassen Akzent. Am Anfang war alles super mit den beiden, doch nach nicht ganz einem Jahr waren S. und ich uns nicht mehr ganz grün. Ich hatte teilweise sogar echt Angst vor ihm.

Als ich mich dann eines Tages aus der Wohnung aussperrte und nach nebenan zu unseren Nachbarn ging, merkte ich, dass dort auch eine WG wohnte und hier bald ein Zimmer frei werden würde. Und so kam es, dass ich einige Wochen später genau eine Tür weiter zog.

Mein damals fester Freund P. zog für sein Studium noch weiter weg. Bei mir waren es „nur“ drei Stunden, für ihn waren es ca. acht. Bis zu mir nach Trier waren es ca. sechs, je nachdem, wie gut der Verkehr war. Dadurch sahen wir uns leider auch nicht mehr so viel.

2020 war ein Jahr, das sehr viel bei mir in meinem Leben verändert hat. Es begann damit, dass Anfang des Jahres der Stiefvater meiner besten Freundin starb, und irgendwie nahm mich das sehr mit. Vielleicht auch, weil mich die Trauer meiner besten Freundin E. und ihrer Mutter M. einfach so krass mitnahm, als ob ich einen Teil ihrer Trauer spüren würde. Ich war gedanklich kurz davor, mein Studium hinzuschmeißen, aber ich musste zurück nach Trier, denn bald ging mein Praktikum los.

E. war damals mit ihrem Freund S. zusammen, aber er tat sich schwer damit, sich in sie hineinzuversetzen, und dieser Todesfall brachte ihr das noch mal ganz klar vor Augen. Also trennte sie sich ein paar Wochen später von ihm. E., S., P. und ich hatten zu viert immer eine Menge zusammen unternommen, und diese Trennung machte sich auch bei mir und P. bemerkbar, jedoch erst viel später.

Nachdem ich zurück in Trier war und mein Praktikum bei A. antrat, begann eine der schönsten, aber auch eine der schmerzvollsten Zeiten in meinem Leben. Denn hier lernte ich D. kennen. Er war Aushilfe und packte unten im Lager die Pakete, aber meistens nur einmal die Woche. Ich weiß gar nicht mehr, wie es genau passiert ist, aber ich verliebte mich so wahnsinnig in D., dass ich nicht mehr klar denken konnte. Eigentlich war er optisch überhaupt nicht mein Typ, ich fand ihn noch nicht mal attraktiv, aber das, was ich für ihn empfand, habe ich so noch nie zuvor gefühlt. Und ich war schon sehr oft verliebt.

Man könnte sagen, D. war wie eine Droge für mich, denn ich tat alles, um in seiner Nähe zu sein. Ich glaube, ihm gefiel diese Aufmerksamkeit, die er von mir bekam, denn er flirtete immer wieder mit mir.

Dann kam der Corona-Lockdown und mein Freund P. kam aus München zu mir, damit wir ihn zusammen durchstehen konnten, und am ersten Abend, als er da war, sprachen wir über D., über meine Gefühle für ihn und dass ich mir mehr von unserer Beziehung wünschte, als immer nur im Bett zu liegen und zu kuscheln. Ich wollte etwas erleben. Denn ich hatte ja gesehen, wie kurz das Leben sein kann. Doch es änderte sich nichts. In den fünf Wochen, in denen er während des Lockdowns bei mir war, waren wir gerade mal nur einmal spazieren.

Als ich dann wieder zum Praktikum gehen durfte, weil der Betrieb so klein war, traf ich wieder auf D., und die Gefühle für ihn wurden wieder intensiver. So kam es, dass ich beschloss, mich zu trennen. Es hatte auch noch andere Gründe, aber darüber möchte ich nicht sprechen. Meine Gefühle für D. waren auf jeden Fall der Tropfen auf dem heißen Stein, und so trennte ich mich dann, ich glaube, es war der 2.6.2020, nach 6,5 Jahren Beziehung.

Mittlerweile sind wir fast genauso lange getrennt, wie wir zusammen waren. Und obwohl ich gemischte Gefühle habe, wenn ich mal an ihn denke, bleibt er irgendwie doch ein Teil von mir. Schließlich gab es eine Zeit, in der ich fest davon überzeugt war, dass wir mal heiraten würden.

Drei Monate nach der Trennung überkam mich dann doch der Liebeskummer, und die Reise zu mir selber begann. Doch wie es genau dazu kam, erzähle ich im nächsten Brief.

Ich wünsche dir und deiner Familie einen wunderschönen Muttertag und ein paar schöne Feiertage im Mai!

Alles Liebe
Nathalie 💛

 

Traumpost April 2026

Liebe __________,

in meiner letzten Traumpost habe ich dir ja schon ein wenig aus meinem Leben erzählt, bis zu meinem Fachabi. Warum auch immer wollte ich unbedingt mein Fachabi machen und das am besten in einem kreativen Bereich.

Bei mir in der Nähe gab es dafür genau zwei Möglichkeiten: einmal am Glockenspitz mit Zeichnen und einmal am Vera Beckers mit Nähen, was ich auch sehr interessant fand, gerade weil meine Oma auch genäht hat. Aber sie hat es mir nie beigebracht.

Für das Glockenspitz musste ich eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Da mir aber gesagt wurde, dass dort auch sehr viel mit dem Computer gearbeitet wird, war es auch nicht so schlimm, als ich die Aufnahmeprüfung zunächst nicht bestand. Beim Vera Beckers wurde ich direkt angenommen und sagte zu. Kurz darauf rief das Glockenspitz an, dass nun doch noch ein Platz frei geworden ist und ich ihn haben könnte, weil ich auf der Warteliste ganz oben stand. Aber ich hatte mich ja bereits entschieden. Rückblickend betrachtet wäre es vielleicht doch die bessere Wahl gewesen, aber dann wäre mein Leben wohl nie so verlaufen.

Mein damaliger fester Freund zog für seine Ausbildung nach Rheine und ich fuhr jeden Morgen mit dem Zug nach Krefeld. Also sahen wir uns nur noch am Wochenende. Schon bald hatte ich in meiner neuen Klasse ein paar Freunde gefunden. Darunter R., sie kam auch aus Geldern, J. aus Neuss und K. aus Krefeld. Er war einer von drei Jungs in der Klasse und schon bald waren wir unzertrennlich. Die meisten dachten, dass K. und ich zusammen wären. Waren wir aber nicht. Wir haben uns auch nie geküsst oder Ähnliches. Ich war zu der Zeit wahnsinnig prüde und konnte mir nicht vorstellen, mit jemandem zusammen zu sein, der deutlich mehr Erfahrungen hatte als ich. Hinzu kam, dass er geraucht hat und den Geruch mochte ich nicht. Aber ich mochte ihn. Wahrscheinlich mehr, als ich mir eingestehen wollte. Im Unterricht half ich ihm immer, denn die meisten Sachen konnte ich besser. Dafür gab er mir seine Freundschaft. Und auch wenn wir es beide nie gesagt haben, glaube ich, dass vielleicht auch er mich mehr mochte, als er zugeben wollte.

Mitten im zweiten Ausbildungsjahr änderte sich allerdings alles schlagartig. Von heute auf morgen kam er nicht mehr zur Schule. Er schrieb meinem festen Freund, dass ich ihn geküsst hätte, wenn ich die Chance gehabt hätte. Und dann war er weg.

Ich weiß bis heute nicht, warum. Warum er gegangen ist und warum er den Kontakt abgebrochen hat. Jahre später, nachdem ich mich von meinem festen Freund getrennt hatte, habe ich sehr oft von K. geträumt. Im Prinzip war es immer der gleiche Traum: Ich war auf der Suche nach ihm, habe alles gemacht, um ihn zu finden. Und als ich ihn gefunden hatte, haben wir uns ausgesprochen und dann geküsst. Dann werde ich wach. Mittlerweile sind die Träume verschwunden, aber dennoch frage ich mich manchmal, was damals passiert ist, warum er das getan hat, wie es ihm heute geht und ob wir uns jemals wiedersehen werden.

Nachdem K. weg war, wurden J. und ich noch bessere Freundinnen und hatten unfassbar viel Spaß miteinander. Ich habe sie immer sehr bewundert, denn im Zeichnen und Nähen war sie so viel besser als ich. Darum finde ich es auch sehr schade, dass sie nicht mit mir nach Trier gekommen ist, um hier zu studieren, denn sie ist wirklich talentiert. Leider macht sie heute nichts mehr im kreativen Bereich. Aber sie heiratet bald und mein Mann und ich fahren zu ihrer Hochzeit. Ich freue mich schon sehr darauf, sie wiederzusehen.

Wie es dann nach der Ausbildung für mich in Trier weiterging, erzähle ich dir beim nächsten Mal.

Vielen lieben Dank, dass du auch diesen Monat mit dabei warst und mich auf meinem Weg begleitest und meinen Traum unterstützt.

Fühl dich gedrückt.

In Liebe
deine Nathalie 

 

Traumpost März 2026

Liebe __________,

ein kleiner Traum geht wahr mit dieser Snailmail. Meine eigene Traumpost. Aber was hat es eigentlich mit dem Namen auf sich? Er leitet sich vom Tagtraum ab. Ich bin nämlich ein kleiner Tagträumer und ich möchte dich mit meiner Kunst und ihren Geschichten ebenfalls zum Tagträumen einladen. Ich möchte mit dir in andere Welten eintauchen und dir meine Fantasiefiguren vorstellen. Aber vielleicht stelle ich dir erst einmal mich vor.

Mein Name ist Nathalie und ich wurde am 8. Januar 1997 in einer eiskalten Nacht geboren. Mein Opa erzählt immer, dass es so kalt war, dass der Springbrunnen vor dem Schloss Arcen beim Sprühen eingefroren ist.

Mein Vater hat meine Mutter noch vor meiner Geburt verlassen und bis heute haben wir ein schwieriges Verhältnis, worunter ich lange gelitten habe. Ich war als Kind also viel bei meinen Großeltern. Leider ist meine Oma Ende letzten Jahres an Blasenkrebs gestorben, was mich sehr traurig gemacht hat. Ich habe versucht, noch viel Zeit mit ihr zu verbringen, aber durch die Entfernung war das leider nicht immer so gut möglich.

Als Kind bin ich erst in den Niederlanden in den Kindergarten und später in die Grundschule gegangen. Als ich drei Jahre alt war, lernte meine Mama ihren neuen Mann kennen und sie bekamen noch zwei Kinder. Ich habe meine Geschwister sehr lieb, auch wenn ich nicht immer die beste große Schwester war, vor allem während meiner Pubertät.

Von groep vier wechselte ich nach Deutschland in die zweite Klasse und wiederholte dadurch sozusagen ein Jahr. Danach ging ich auf eine Mädchenrealschule, was mich aber nicht daran hinderte, mich ständig zu verlieben. Wie ich an dieser Stelle gerne zitiere, aus meiner Lieblingsfilmreihe Twilight, während meiner Pubertät war Edward mein absoluter Schwarm: „Ich war jung und verliebt in die Liebe.“

Die Zeit auf dem Nonnenbunker war nicht immer einfach. Die Klasse teilte sich in zwei große Gruppen, die Mobber und die, die gemobbt wurden. Und ich gehörte nicht zu den Mobbern. Es gab andere, die es noch schlimmer erwischte als mich, und ich versuchte immer, für sie einzustehen. Aber es gab auch Tage, an denen ich mich selbst nicht mehr in die Schule traute.

Nach der 10. Klasse wollte ich unbedingt mein Fachabi machen. Für das richtige Abitur war ich angeblich nicht schlau genug, denn ich hatte eine Vier in Englisch und bis heute hasse ich es ein bisschen. Sobald jemand Englisch spricht, schaltet mein Gehirn ab. In der heutigen Zeit ist das leider nicht immer die beste Angewohnheit.

Das Fachabi kombinierte ich mit einer schulischen Ausbildung zur bekleidungstechnischen Assistentin. Was das genau ist und wie es in meinem Leben weiterging, erzähle ich dir in der nächsten Traumpost.

Bis dahin wünsche ich dir einen wunderschönen Monat und ganz viel Glück und Kraft, all die Ziele und Wünsche zu erreichen, die du dir vornimmst. Vielen Dank, dass du Teil meiner Reise bist und meine Wünsche Wirklichkeit werden lässt.

Alles Liebe
deine Nathalie